Journalistisches

Als freier Journalist arbeite ich naturgemäß für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, vor allem für die Süddeutsche Zeitung, die tageszeitung (taz), die Aachener Nachrichten, Aachener Zeitung.

Meine Themen: Sprache und Literatur - in erster Linie.

Gelegentlich wildere ich auch in den Revieren Wissenschaft oder Sport.

Klaus Mackowiak

Männin

Ob jetzt - ungeachtet aller Etymologie - im Amerikanischen der history aus Geschlechtergerechtigkeit nun auch die herstory zur Seite zu stellen ist, ist weder  i h r e  noch  s e i n e, sondern  s o  e i n e  Geschichte. Aber im Ernst: Spricht denn wirklich was dagegen, sexistische Diskriminierungen in der Sprache zu vermeiden? Ja. Die Sprache. Gelegentlich sabotiert sie schlicht die Political Correctness.

Nun gut: Das angehängte -in nimmt sie ja noch hin: Architektin, Ärztin, Gebäudereinigerin etc. Aber schon bei Zusammensetzungen bestraft sie edleres Streben durch Umständlichkeit: Architekt(inn)enkammer, Gebäudereinger(innen)streik etc. Und bei etlichen stellt sie, die Sprache, sich ganz stur, da geht gar nichts: *Ärzt(inn)enkammer. Aber stattdessen: Ärztinnen-und-Ärzte-Kammer? Hm...

Auch Rückbezüge gelingen bisweilen nicht ganz befriedigend: Man konnte drei Wanderer ausmachen. Einer davon war eine Frau mittleren Alters. Oder: Ilse Aichinger war die erste österreichische Autorin, die diesen bedeutenden Preis erhielt!? Wir grübeln: War sie die Erste der Autorinnen oder die Erste der Autorinnen und Autoren?

Immerhin hatten die Abgeordneten des NRW-Landtages 1990, als dies Thema noch heißer war, ihr Treuegelöbnis schon gegen jedermensch abzugeben. (Und jefrau und niefrau?)

Wie sieht’s mit Konsequenz bei Ableitungen aus: göttinlich, teuflinisch, freundinlich, kämpferinisch bzw. frauscheln, überfrauen oder gar entfrauen?

Aber: Ist das -in nicht selbst schon diskriminierend - als Anhängsel (und nahezu albern bei der real existierenden Amtmännin)? Dann Anhängsel auch für Herren: Ärztin und Ärztaus, Architektinnen und Architektaussen (oder zur Politesse auch den Politeur).

Probat auch: ein Problem zu umgehen statt zu lösen - durch geschlechtsbereinigte(?) Ausdrücke, etwa Fachkraft statt Fachmann/Fachfrau. Aber akzeptierte man gleichermaßen ein fachkräftiges Urteil? Oder eher ein fachkräftisches bzw. fachkräftliches?

Wenn schon, dann gleiches Unrecht für alle: zur Amme den Ammer, zur Verwitweten den Verwitwerten!

Und was wird aus Sandmännchen, Hampelmann, Biedermann, Spitzbube oder Hanswurst? Muss man/mänin/mänaus/frau/kraft sich konsequenterweise auch von einem Sandweibchen Sand in die Augen streuen lassen, sich von irgendwelchen Biederfrauen und Spitzschlampen zur Hampelfrau respektive zur Johannawurst machen lassen? Und was sagt der/die Vati- bzw. Muttikan (so Frau Ranke-Heinemann) dazu?

Die alte Frage: Zementiert hier die Sprache Herrschaftsverhältnisse? Oder drücken sich letztere nur in ersterer aus? Marxistisch hieß das dereinst ja: Das Sein bestimmt das Bewusstsein (bzw.: das Ihr bestimmt das Bewusstihr). Wechselwirkungen zwischen Sprache und Herrschaft sind geradezu selbstverständlich. Machen wir sie uns getrost etwas bewusster (pardon: bewusstsie)! Ganz tilgen werden wir diese "Machtwörter" nicht, werden doch - mit dem alten Hegel gesprochen - in neuen Verhältnissen die alten stets aufgehoben - in doppeltem Sinne.

[Aus der Süddeutschen Zeitung]