Nonsens-Lyrisches

Unsinn und Hintersinn liegen oft nah beieinander. Bergen sie deshalb einen höheren Sinn oder einen tieferen? Oder teilen sie das Los eines jeden Sinnes: das bittere Sinnlos?

Bei Lyrik zudem ist immer Vorsicht geboten: Denn viel ja lügen die Dichter!

Hier einiges aus meiner Tastatur:


Verdichtete Dichter

 

Wie - wirklich wahr! -

sie von fern glatt

Robert gern hat -

nur nicht von nah.

 

Zeit zu klagen stand

bereit wohl, doch fad’,

dass Thomas Bern hart

zu ertragen fand.

 

Heinz, er haart: Haare entgleiten.

"Glatze fast", hört man sie flachsen,

"will kein Haar dir je mehr wachsen?"

Heinz, er harrt haariger Zeiten.

 

Man sollte ja nicht jeden kosen.

Eins kommt mehr als schlecht:

Wo der Bär tollt, brecht

uns lieber keine roten Rosen.

 

Schippert Antichrist Ian

morgen sternhagelvoll

durchs Südseeatoll,

hat er einen im Kahn.

 

 

Die Schnur nun liegt beim Jo-Jo, ach,

im Ringel, natzt Stümper verboten

durch Schleifen, Knäuel und Knoten,

so dass ich auf den Hintern krach.

 

Im Wortlaut

 

Im Wortlaut steckt – wie weise –

des‘ Kernstück die Wortleise.

Was Wortlaut prahlt und dröhnt:

Wortleise gilt dies als verpönt.

Wo aber das Wort Leises birgt,

ahnt man, dass hier Wortleise wirkt.

Weil sie sich auch kaum vortraut,

weil ihr vor jedem Ort graut,

rettet die Wortleise

auf recht perfide Weise

den zarten Leib wie auch die Haut

durch ihren Sklaven, den Wortlaut.

Der nämlich fügt Wortkreise

und -wälle um Wortleise.

Von der hagelt’s Verweise.

Der Wortlaut poltert: „Weiße,

du laberst schiere Scheiße!“

 

 

Die Wüste stirbt (Nietzsche-Schmäh)

Der Asparagus welkt verfallen,

mein Körper darbt arg ausgedörrt.

Hat mich der Wahn in seinen Krallen?

 

Alles scheint - was mich verstört -

so trocken wie Humor und Rotwein:

Wie kann’s hier nur so tot sein?

 

Da von der Decke dies Gequietsche!

Und von oben, wie ich glaub’,

rieselt Sand auf meinen Nietzsche

und aus meiner Nase Staub.

 

Schicksal, will’s sein, dass du mich neckst,

mich lehrst, wie manches Wort noch wirkt?

Ich las es wohl: "Die Wüste wächst:

weh dem, der Wüsten birgt!"

 


Widernatürliche Liebe

 

In einem Computer: ein Atom samt Kern.

In dem wieder zwei: die hatten sich gern,

und zwar zwei Positronen.

Wo sonst auch sollten die wohnen?

 

Ja, es war die reinste Liebe:

tiefstes Gefühl - jenseits der Triebe.

Allein die Physik ... störte - und nicht zu knapp:

Denn kam man zusammen, so stieß man sich ab.

 

 

Jacke wie Macke

 

Wen wir in fade Zwänge zwängen,

zwängen wir in Zwanges Jacken.

Gezieh’ne Zeiten, die zag drängen -

drängen dringend wohl in Macken.

 

Wenn wir aus üblen Tränken tränken,

tränkten wir uns überhaupt?

Warum im Kopfe Kranke kränken?

Kranken sie nicht überm Haupt?

 

Wenn wir im Liegen Lügen lögen,

wär’n die nicht wieder wahr?

Dass uns des Schicksals Zeichen trögen,

würd’ kaum wem schaurig klar...

 

Wenn ich der Anstalt Stähle stähle,

stähl’ ich mich fort von hier.

Und wenn ich noch die Stele stehle:

Dies Steele - passte mir.

 

Wohin mich, Fürst, du führst, du führst

in Wind mich, den ich säe.

Was immer, Schuft, du schürst, du spürst

den Sturm, den ich nie sähe.

 

 

Breitseite


Ach, wie neid ich, wo ich’s sehe,

jeden Drang ins Weite.

Das einzige, wohin ich gehe,

das ist in die Breite.

 

 

Quellensteuer 


Die Quarkstollenquelle

und Quellensteuerfalle

in Quarkstollenpelle

der Stellenfeuerqualle

sei’n stark Pollenquelle

im Quellenfeuerstalle,

weil Quark Pollen stelle.

 

 

Wandstandüberschlag


Welch Winde sich durch Wände wände,

und stracks unter Strafe aller Stände stände,

wollte, wenn sie wild sich wände, Wände

stürzen, auf dass nichts stände. Stände,

Wohnraum, Stürze, Wände - stände

wahrlich wenig? Statisch starre Stände wände

man aus Wracks und Schutt. Man wände Stände,

wo irgendwer wohl staunte und stände: Wände! 

 

Störfall


Eins will ich hohl durch jede Röhre röhren:

Man kann doch keinen Stör verhören

und so die raren Störe stören,

nur weil sie Kröten, wie ich hör’, verstören.

 

 

Therapeutische Beerenhaut


Verborgen, doch in reicher Zahl

streunen durchs Johannistal

zu Aachen die Johannisbeeren,

die durchaus depressiver wären,

wäre ihnen nicht vertraut

die Wirkkraft von Johanniskraut.


Nichts und niemand in Nacht und Nebel

 

Liefe ich, so würd’ ich schlottern,

spräche ich, so würd’ ich stottern.

Völlig bin ich aus dem Häuschen,

still und starr wie ein Mucksmäuschen:

Pssssssst ...

 

Aus dem Häuschen und nicht drin:

Das Mädchen irrt im Nebel hin

- in Sumpf und rabenschwarzer Nacht.

 

 

Ich muss hier weg, muss doch laufen.

Ich sinke ein. Muss ich ersaufen?

Ich raff mich auf und fall aufs Schnäuzchen.

Schaurig dumpf ruft da ein Käuzchen:

Uhuuuh uhuuuh ....

Im Schlamassel und nicht raus:

Sie hört so viel, sieht keine Maus

- in Sumpf und rabenschwarzer Nacht.

 

 

Wohin nur meine Schritte lenken?

Ich ruhe aus auf Nebelbänken.

Ich hülle mich in Nebelfetzen,

will mich nicht weiter hechelnd hetzen:

Hechelhechelhechelhech ...

Moder, Moose und kein Mond:

Ob sich das Lauschen letztlich lohnt

- in Sumpf und rabenschwarzer Nacht?

 

 

Der Wuckel-Wockel-Wackel-Peter

ist starr vor Schreck und wackelt später.

Die Höbbel-Hebbel-Hibbel-Liese:

Sieh an: Wie wenig hibbelt  diese!

Die Plupper-Plopper-Plapper-Kinder

glotzen stumm und blöd wie Rinder:

Boh ey!

 

Ssschu-schwupp! Was soll solch Wind bedeuten?

Und jetzt: So kalt! Von Gänsehäuten

kann ich erzählen - nacheinander,

von Fledermaus und Salamander.

igitt igitt igittiiiiiiiiii ....

Zitternd’ Mädchen und kein Pfad,

auf dem sich Trost und Vater naht

- in Sumpf und rabenschwarzer Nacht.

 

 

"Nun wach doch auf", hör’ ich Papá

und glaub, dass es ein Alptraum war.

Doch um mich droh’n nur kahle Bäume:

O je, ich träumte nur, ich träume!

Oje, oje, ojeminemine ...

Käuzchen, Molche und kein Traum:

Wie hält sie ihre Furcht in Zaum

- in Sumpf und rabenschwarzer Nacht?

 

 

Ein Ende hat das Gruseln nicht?

Ein Lied bloß ist es, nur Gedicht,

Und das kriegt immer einen Schluss,

weil auch ein Dichter Pipi muss.

Hommage à Ernst Jandl
(ottos mops)


annas katz

annas katz kratzt
anna: ab katz ab
annas katz trabt ab
anna: nana

anna hat lachs
anna hat angst
anna starrt
anna ahnt

annas katz klagt
anna: wart katz wart
annas katz harrt
annas katz kackt
anna: achmannachmann